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Schock und Alltag Tagebuchroman
Schock und Alltag ist ein feines, fast filigranes Buch. Der Autor schildert zwei Jahre seines Lebens in Tagebuchaufzeichnungen, die er literarisch bearbeitet hat. Er spürt bereits, dass es sich um seine letzten Jahre handelt. Vogt stirbt denn auch ein halbes Jahr nach der letzten Aufzeichnung, das Buch erscheint posthum. Es geschieht nichts Sensationelles, was als dramaturgische Sensation verwertbar wäre. Doch das Leben des Psychiaters Vogt, seine Arbeit in der Aids-Hilfe Bern, sein Gespür für Jungen und ihre Schönheit, seine Aufenthalte am Murtensee, das Heilen und Begutachten, wie er seinen Hauptberuf nennt, die kurzen filmkritischen Flashes und seine Traumschilderungen faszinieren in ihrer Präzision und Brillanz. Dazu kontrastieren seine skalpellscharfen Gedanken zu Tagesereignissen, zur ökologischen Situation der Erde, zum Atomkrieg und zum "Aids-Kuchen": Aids "feeds more people than it kills". Vogt war ein grüner, schwuler Aufklärer mit kleinbürgelicher Vogelschutzobsession. Eine Reduktion, bestimmt, aber sie macht seine Widersprüchlichkeit deutlich. Schade, dass wir Walter Vogt nur noch durch seine Bücher kennenlernen können.
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