
Das Café am Rande der Welt eine Erzählung über den Sinn des Lebens
Reviews

Erinnert an einen "Weisheiten-Kalender" aus dem Wartezimmer.
Dafür gibts einen Markt ... scheinbar.

Der Titel verrät alles, mehr sollte niemand vom kleinen Buch erwarten. Es ist gefällig geschrieben, enthält aber nur banale Weisheiten anderer in neuer Verpackung. Die Rahmenhandlung weist keinerlei Spannung auf. Charaktere gibt es keine, nur Typen, die wenig überraschend handeln. Den Sinn des Lebens werden Leser:innen nicht in diesem Werk entdecken können, leider langweilt die Lektüre schnell. Ich hätte mir von einem Weltbeststeller mehr erwartet.

Ein simples Buch für simple Gemüter

Muss jeder gelesen haben

Das Café am Rande der Welt Das Buch ist an nur eine bestimmte Gruppe von Menschen gerichtet: Weiß, privilegiert und reich. Zusammenfassung: Ich bin für mein Schicksal selbst verantwortlich und nur ich bestimme, wie mein Leben aussehen wird: “Das ganze Leben ist eine tolle Geschichte, John! Einige Menschen erkennen bloß nicht, dass sie selbst die Autoren sind und die Geschichte so schreiben können, wie sie es möchten.” Naja, Mike. Ich wünschte, es wäre so einfach, aber das ist nur der Fall, wenn man auf einer sehr privilegierten Startposition steht. Wie soll ich selbst Autorin meines Lebens sein, wenn genug Leute sehr viel Mitbestimmungsrecht haben? Und damit meine ich jetzt nicht irgendwelche Familienmitglieder und nähere Freund*innen, die ich zufriedenstellen muss/möchte. Ich rede über institutionellen Rassismus, der mir das Leben sehr schwer macht. Ich rede über Absagen bei der Wohnung- und Arbeitsuche, die ich aufgrund meines Seins erhalten habe. Natürlich würde ich gerne den Alltagsstress hinter mir lassen, aber Hasskommentare im Netz, in der Arbeit, auf der Straße, verbale und körperliche Gewalt an BIPOCs sind aber leider nicht aus unserem Alltag wegzudenken; und diese Angst begleitet uns ständig. Im Buch werden unter anderem zwei Situationen geschildert, wo ich es mir fast hochgekommen ist. Wieso erleben White People erst eine Erleuchtung, wenn sie mit “armen” Menschen reden? Die Geschichte, die erzählt wird, handelt von einem aRmEn Fischer, der glücklich und zufrieden ist. Ein erfolgreicher Geschäftsmann erlebte erst eine Erleuchtung und veränderte sein Leben, als er mit ihm geredet hat: “[…] der glücklichste und zufriedenste von allen […]” Und natürlich hat der Fischer keine Bedürfnisse und Träume im Leben. Er lebt ganz bescheiden, geht jeden Tag fischen, seine Frau malt und seine Kinder schwimmen im Meer. Jeden Tag. Die zweite Geschichte beginnt schon sehr lächerlich: “Vor einigen Jahren führte ich ein ziemlich hektisches Leben. Abends ging ich zur Universität, da ich ein Aufbaustudium machte. Tagsüber arbeite ich in einem Vollzeitjob, und jede restliche freie Minute trainierte ich, da ich Profisportler werden wollte. Zweieinhalb Jahre lang war jeder Moment meines Lebens verplant.” Ich mein, wow.. privileged much? Er regt sich darüber auf, dass er einen Vollzeitjob hat, dass er Zeit hat, die er seiner Gesundheit widmen kann, dass er Zugang zur Bildung hat? Erinnert mich an den Text “Rassismus: Das Ende des German Dream” von Fatma Aydemir. Und was ist dann die Lösung für seine Misere? “Nachdem ich mein Aufbaustudium abgeschlossen hatte, kündigte ich meine Arbeit und nahm mir den Sommer über frei, da ich für Anfang September bereits einen neuen Job gefunden hatte. Ich entschloss mich, zusammen mit einem Kumpel, der ebenfalls sein Studium beendet hatte, nach Costa Rica zu fahren, um unseren Abschluss zu feiern.” Ich musste wirklich fast kotzen, wie ich das lesen musste. Was für Existenzängste kann man haben, wenn man sich kaum Sorgen um Arbeit machen muss? Sich nie Gedanken um Geld machen muss? Natürlich ist das Leben nicht perfekt, egal, wie privilegiert man ist, aber abgeschlossenes Studium und eine fixe Arbeitsstelle als Bürde aufzuzählen, finde ich bisschen fragwürdig. Vor allem, weil wir alle genügend Menschen kennen, die sehr qualifiziert sind und im Endeffekt, weil sie aufgrund ihrer Hautfarbe, ihrer Religion, ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer körperlichen Einschränkung, und so weiter keinen Job bekommen. Nach dem Lesen hatte ich das Gefühl, dass solche privilegierten Leute den Sinn und Zweck des Lebens/ihrer Existenz nur beim Reisen erfahren können: “[…] eine der wichtigsten Lebenslehren in Bezug darauf, welche Dinge ich jeden Tag tue, hat mir eine große grüne Meeresschildkröte vermittelt. […] Während eines Urlaubs auf Hawaii schnorchelte ich einmal an der Küste entlang.” Was for #richpeople shit ist das eigentlich? Ich kann mich nicht mal annähernd damit identifizieren. Long story short: Natürlich kann ich mein Leben in die Hand nehmen und natürlich muss ich für meinen Erfolg arbeiten; aber als WOC, als muslimische Frau, als Frau ist das nicht einfach, weil meine Existenz wortwörtlich von Rassismus und Sexismus bestimmt ist. Also: absolut keine Empfehlung, außer du chillst in einer Mansion und weißt nicht, was du mit all deinen Privilegien und deinem Vermögen tun sollst.

Everyone should read this

















